Das „Abenteuer Neiße“ wird in Görlitz in zwei Sonderausstellungen sichtbar. Während das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz voraussichtlich ab Juni das „Leben am Fluss“ zeigt, erzählen die Görlitzer Sammlungen in der Partnerausstellung „Geschichten am Fluss“. Die Sonderausstellung im Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1, kann bis 22. November besichtigt werden.

Die Lausitzer Neiße spielt für die Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner in der Ober- und der Niederlausitz eine mehr oder minder bedeutsame Rolle. Manch eine oder einer hat familiäre Bezüge zum Fluss. Fast alle Menschen der Region kennen die Neiße aus eigenem Erleben als Grenze. Trotz ihrer unstrittigen Bedeutung als Mittler zwischen Ost und West, als Heimstatt einer reichen Flora und Fauna, als Wirtschaftsfaktor und Touristenmagnet, doch auch als militärische und politische Barriere und somit heute Erinnerungsort europäischer Geschichte, war die Lausitzer Neiße bisher noch nie Gegenstand einer eigenen literarischen Darstellung oder Thema einer musealen Ausstellung.
Das Kulturhistorische Museum Görlitz folgt den historischen Spuren des Menschen entlang der Neiße und fängt interessante Orte und Geschichten ein, die uns von seinem Wirken in der Flusslandschaft erzählen.
Der Mensch siedelt an der Neiße mit Unterbrechungen seit der Steinzeit. Wann er und wer genau dem Fluss seinen heutigen Namen gab, ist jedoch umstritten. Neuere Theorien sprechen von einer indogermanischen Etymologie, nach der sich Neiße von Neidsā mit der ungefähren Bedeutung ‚Gewässer mit Strömung‘ ableite. Andere Namenkundler sehen den Ursprung etwa im urslawischen Wortstamm niz für ‚unten‘ bzw. ‚niedrig gelegen‘, was sich sowohl auf die vergleichsweise niedrig im Isergebirge gelegene Quelle als auch auf die Auenlage beziehen könnte.
Erstmals urkundlich tritt die Neiße als Namensgeberin für einen Landstrich provinciam Nice – nahe dem heutigen Forst (Lausitz) – im Jahr 1018 bei dem Chronisten Thietmar von Merseburg auf.

Der Mensch verstand es stets, trotz der naturgegebenen Gefahren des Gewässers, mit der Neiße zu leben und sie insbesondere wirtschaftlich zu nutzen. Historische Bildwerke und Fotografien zeigen den Fluss und seine unmittelbare Umgebung oft überaus belebt: Fischerboote sind unterwegs, elegante Ausflügler flanieren auf den Uferterrassen, geschäftiges Treiben lässt die Fabrikschlote am Fluss rauchen. Eine scharfe Zäsur in der Geschichte der Neiße ließ diese Welt jedoch untergehen. Als Staatsgrenze und streng bewachte Barriere wurde dem Fluss am Ende des Zweiten Weltkrieges eine Rolle zugedacht, die er zuvor nicht kannte. Undenkbar war nun geworden, was bis dato im Zusammenspiel von Fluss und Mensch selbstverständlich war. Erst allmählich erobern sich beide seit der politischen Wende in Ostdeutschland und Osteuropa ihre einstige Partnerschaft zurück. Viele Etappen des Zusammenwachsens von Deutschen, Polen und Tschechen sind inzwischen geschafft – vieles liegt aber noch vor uns.

Die Görlitzer Sammlungen laden kulturgeschichtlich interessierte Abenteurer herzlich zur Entdeckung der Sonderausstellung im Kaisertrutz und im Senckenberg Museum für Naturkunde sowie der Erkundung der Neiße-Region ein.

Die beiden Görlitzer Museen bieten Besuchern die Möglichkeit, mit der Eintrittskarte ihres Museums in dem jeweils anderen Museum eine Ermäßigung in Anspruch zu nehmen. Ermäßigung gewähren die Görlitzer Sammlungen auch Besuchern, die im Kaisertrutz eine gültige Monatskarte der Görlitzer Verkehrsbetriebe vorlegen.

Abenteuer Neiße. Geschichten am Fluss
Kulturhistorisches Museum Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1
19. Mai bis 22. November 2020

Abenteuer Neiße. Leben am Fluss
Senckenberg Museum für Naturkunde, Marienplatz
Juni bis 10. Januar 2021

Das Projekt „Abenteuer Neiße“ wird im Rahmen des Kooperationsprogramms INTERREG Polen – Sachsen 2014-2020 gefördert.